Kloster Arnstein war ein für diese Region bedeutendes Prämonstratenserkloster. Es wurde 1142 von Ludwig III. von Arnstein, dem Gaugrafen des Einrichgaus, gegründet, der seine Burg in ein Kloster umwandelte und selbst in dieses eintrat. Arnstein bestand als reichsunmittelbares Kloster bis 1803 und wurde dann durch das Herzogtum Nassau säkularisiert. Das Archiv und die Bibliothek des Klosters wurden erst nach Idstein, dann nach Wiesbaden gebracht, nachdem bereits eine große Anzahl von Archivalien durch nachlässige Lagerung und Transport, aber auch durch Verkauf als Makulatur vernichtet worden war. Der verbliebene Rest bildet heute im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW) den Bestand 11 mit immer noch 1400 Urkundenverzeichnungen. Das Urkundenbuch des Prämonstratenserklosters Arnstein an der Lahn von Karl Herquet aus dem Jahre 1883 ist bis heute neben dem Necrologium von Becker (1881) die bedeutendste  Quellenbearbeitung zu Arnstein.  Leider wurden hierbei nur die Urkunden von 1142-1446 berücksichtigt. Wie auf dem Titelblatt ersichtlich (Erste Lieferung!), waren wohl weitere Lieferungen vorgesehen. Eine Fortsetzung unterblieb allerdings aus unbekannten Gründen. Da die Abtei bis 1803 existierte, wurde somit weit mehr als die Hälfte aller im HHStA Wiesbaden vorhandenen Urkunden nicht berücksichtigt.  Hinzu kommt, dass in großen Teilen des Bandes die Urkunden fast nur in (Kurz-)Regestenform  dargeboten werden. Eine große Anzahl von erst heute bekannten Urkunden lässt sich nun in einer Neubearbeitung hinzufügen. Dabei können ausgelassene Zeilen und ein ausführlicher Anmerkungsapparat ergänzt sowie Fehllesungen und Druckfehler korrigiert werden. Bei aller Wertschätzung für die große Leistung von Karl Herquet halte ich aus diesen Gründen  und auch in Anbetracht der neuen technischen Möglichkeiten eine Neubearbeitung des Arnsteiner Urkundenbuches für sinnvoll. Der Umfang dieses Editionprojektes erfordert sicherlich eine Publikation in mehreren Bänden. Die stark normalisierte Transkription bei Herquet soll nun diplomatisch, also zeilengenau und buchstabengetreu durchgeführt werden. Als Zielgruppe sollen neben den  Historikern auch weitere Forschungsfelder wie Sprachforscher etc. angesprochen sein. Die beabsichtigte neuhochdeutsche Übertragung der lateinischen und mittelhochdeutschen Texte ist mir bisher nur für ein mittelniederdeutsches Urkundenbuch bekannt. Dies soll für interessierte Heimatforscher einen schnellen und bequemen Zugang ermöglichen. Für Interessierte, die sich in die historischen Hilfswissenschaften einarbeiten wollen, kann es als  didaktisches Material dienen. Eine normalisierte Textvariante ließe sich mit wenig Aufwand im Anschluss sicherlich auch erstellen, wenn dies notwendig erscheint.
  © Michael Mucha 2018
Quellen zur Geschichte des Einrichs